Über Wolle

Schafwolle ist einzigartig, ein nachwachsender Rohstoff und liefert uns vom Faden bis zum Strickgarn alle mögliche Arten von Bekleidung, Decken, Autositze, Teppiche, Dämmung. Wir können sie auch als Langzeitdünger verwenden. Kleidung aus Wolle schützt uns sowohl im Winter als auch im Sommer vor Wind und Wetter. Wir können mit Wolle spinnen, stricken, sticken, häkeln, basteln, wir stopfen sie in Wände, Decken, Kissen und Betten.

Wir können mit Wolle kleine Wunden und Hautreizungen behandeln, Heilwolle (engl. medicine wool) ist Fettwolle, der hohe Lanolinanteil hilft unserer Haut kleinere Wunden zu schließen und Hautreizungen zu lindern und wird häufig bei Windeldermatitis verwendet.

Wir können mit Wolle unsere Beschwerden in unseren Gelenken lindern. Auch schmerzhafte Muskelverspannungen können sich lösen, hier ist die thermoregulierende Eigenschaft der Wollfaser für ein angenehmes Körpergefühl verantwortlich. Wolle reagiert auf die körpereigene Wärme und wärmt nicht von außen.
Wolle verfügt über Selbstreinigungskraft, nimmt Schmutz schlecht an, auch Gerüche werden aufgenommen und wieder abgegeben. Es ist vollkommen ausreichend Wollprodukte zu lüften, nach einiger Zeit ist das Wollprodukt wieder frisch und fluffig.

Wollwickel werden bei Erkältungserscheinungen wie Husten, Hals- und Ohrenschmerzen eingesetzt.

Der Weltmarkt wird überwiegend mit Wolle von Merinoschafen aus Australien und Neuseeland bedient. Die sehr weiche Wolle der Merinoschafe lässt die Wolle der Kollegen weit zurückbleiben. Australiens Merinoschafe haben es nicht leicht, sie tragen mehr Wolle als ihre Artgenossen, sie haben jede Menge Hautfalten (damit mehr Wolle wächst) und in diesen können bei großer Hitze eben auch Fliegen ihre Eier ablegen. Das sogenannte Mulesing ist bei Herden in Australien von mehreren Tausend Tieren an der Tagesordnung. Durch meine eigenen Schafe und der intensiven Beschäftigung mit dem Thema Schaf und Wolle, bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass es durchaus möglich ist, weiche, angenehme Produkte verschiedener Wollarten herzustellen.

Die Farben unserer heimischen Schafe bieten ein breites Spektrum wunderschöner Naturtöne, von hellgrau, dunkelgrau,schwarz, weiß, beige, gelb sowie verschiedene Brauntöne und laden zum herbst-und vorweihnachtlichen Basteln ein. Fuchswolle schimmert leicht rötlich, ist gute Spinnwolle, kann zu Socken verstrickt oder als Filzarbeit z.B. für Hausschuhe verwendet werden. Dicke, weiche Felle gibt es vom Rhönschaf, vom Schwarzkopf und von vielen Mischlingen. Die gezupften und gewaschenen Felle werden in der Wollkämmerei zu feinen, weichen Vliesen kardiert und in unseren Kissen verabeitet. Bettdecken und Haustierkissen werden in einer kleinen Manufaktur in Hessen hergestellt.

Woher stammt unsere Wolle?

Wir verarbeiten Wolle aus dem eigenen Betrieb und aus der Region und sammeln direkt nach der Schur bei:

  • Schafen von der Tierpension Zum Carlshof bei Ranstadt
  • Landschaftspfleger-Schafen aus Mainz-Finthen
  • Von Hobbyschäfern und Kleinbetrieben aus Hofheim, Hochheim, Rohrbrunn und aus dem Odenwald

Die meisten Schafe haben genau wie unsere eigenen Tiere einen Namen, sie heißen zum Beispiel Otto, Gudrun, Mathilde, Kaspar oder Erna. Sie werden von ihren Haltern geliebt und wenn es Ihnen nicht gut geht, liebevoll umsorgt. Sie erhalten gutes Heu und haben freien Zugang zu den Weideflächen.

Die Verarbeitung

Der Aha-Effekt des ersten Waschgangs begeistert mich auch nach mittlerweile sehr vielen Schaffellen, immer noch. Kaum berührt das Wasser die staubige Wolle, wird sie innerhalb von Sekunden wieder weiß. Durch die seifige Konsistenz des Wollfetts entsteht eine hohe Reinigungskraft. Vor dem Waschen wird die Wolle vorbereitet, verschmutzte Stellen, grobe Strohreste, Disteln o.ä entfernt.
Die Wollvorbereitung ist eine zeitintensive Beschäftigung, sie erfordert Sorgfalt und Sachkenntnis. Nicht jede Wolle ist für die Wollkämmerei geeignet. Nach jedem Waschgang werden erneut Halme, Gräser und Stroh entfernt. Diese sind manchmal gut versteckt im dicken Fell und lösen sich erst im Wasser.
Nach mehreren Waschgängen ohne Zugabe weiterer Reinigungsmittel wird die Wolle an der frischen Luft getrocknet. Der Kuschelfaktor Schafwolle wird durch den leichten ganz besonderen Geruch gefördert. Leicht wahrnehmbar in den Vliesen, da durch den Verzicht auf chemische Reinigungsmittel wie karbonisieren, Zugabe von Schwefelsäure und bleichen ein Anteil Lanolin (Wollfett) erhalten bleibt. Unsere Wolle kann als Naturprodukt kleinste Partikel von Heu- oder Strohhälmchen (da diese nur durch die Karbonisierung entfernt werden) enthalten.